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          Vorträge und Workshops    Referenten

          Freitag, 09.05.2014    Samstag, 10.05.2014


STADTKLANGNETZ-KONFERENZ 2014
Veranstaltungen am SAMSTAG, 10. MAI 2014




Samstag, 10.05.2014, 10:00 - 10:30 Uhr

Warm-Up · Stimm- und Körperarbeit
Morning Tune – Atem Schöpfen, Einstimmen, Tonisieren


Referentin: Dagmar Boecker (Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin, HfMT Köln)

Aufatmen! Mit ebenso einfachen wie tiefgreifenden Übungen findet die Kontaktaufnahme mit den eigenen inwendigen Atem- und Klangräumen statt. Ziel ist es, über die natürliche Atemspannkraft Aufrichtung und Weitung von innen zu erreichen. Über die Arbeit mit Vokalen werden stimmliche Farben und Atem-Texturen ausgelotet – daraus kann für chorische Improvisation geschöpft werden. Ein Warm- Up für den Konferenztag, der viele Spuren für die Arbeit mit Atem und Stimme legt.

Ort: Literaturhaus · Saal



Samstag, 10.05.2014, 10:30 – 11:30 Uhr

Impuls #2
Vortrag
Rhythmus und Resonanz
Lernen, Gewohnheit und Kreativität zwischen Gehirn, Leib und Umwelt

Referent: Dr. Hans Jürgen Scheurle (Arzt und Physiologe, Badenweiler)

Rhythmus und Resonanz sind die beiden Grundphänomene, die alles musikalische Geschehen durchdringen. Der Rhythmus gibt die zeitliche Ordnung, die Resonanz macht Klänge hörbar. – Indem organische Bewegung stets von Rhythmus durchzogen ist, wird sie Musik. Resonanz, die Antwort der Umgebung auf die Stimme, das Mitschwingen der Luft, macht das Musikinstrument zum klingenden Medium.

Auch das Gehirn ist ein Rhythmusorgan. Es aktiviert den übrigen Leib, beendet den Ruhezustand (Trägheit) und regt die Organe zur Interaktion mit der Umwelt an. Erst indem die eigenrhythmischen Erregungen des Gehirns synchronisiert und verstärkt werden, werden höhere Körperfunktionen flüssig (Fazillitation). Lernen und Gewohnheit beruhen auf dem instrumentalen Charakter des Leibes, dem orchestralen Zusammenwirken seiner Organe.

Kreativität entsteht aber erst, indem Gewohnheit wieder unterbrochen und passager eine Leere hergestellt wird, aus der Neues hervorgehen kann. Üben ist daher mehr als Lernen. Es entsteht aus dem Opfer der Gewohnheit, der in der Vergangenheit erlangten Fertigkeiten zugunsten einer noch unbekannten, immer neuen Gegenwart. Daher ist Kunst ohne Risiko nicht denkbar. Erst durch Unterlassen und wieder Zulassen entsteht die geistige Freiheit zu echter schöpferischer Produktivität.

Ort: Literaturhaus · Saal



Samstag, 10.05.2014, 10:30 – 11:30 Uhr

Fokus ACHT BRÜCKEN
Vortrag
Listening Lab

Referenten: Dr. Johannes Voit (Referent für Musikvermittlung KölnMusik) und Veronika Großberger (Musikvermittlung Ernst Krenek Institut, Krems)

Orchester und Konzertveranstalter wünschen sich ein Publikum, das sich für Musik begeistert und neugierig auf die Moderne zugeht. Sie bilden verstärkt Allianzen mit Schulen und anderen Bildungseinrichtungen, um junge und erwachsene Menschen an Musik heranzuführen. Mit der Universal Edition hat sich nun auch ein führender Musikverlag dieses Themas angenommen. In den Bänden der neuen Reihe „Listening Lab“ wird eine Fülle von Vermittlungskonzepten zu jeweils einem Schlüsselwerk der Neuen Musik präsentiert. Musikvermittler finden neben allgemeinen Tipps zum künstlerischen Gestalten mit Laien konkrete Anregungen, wie durch eine sinnliche und handlungsbezogene Herangehensweise ein vertieftes Verständnis für das jeweilige Werk begünstigt werden kann. Die Autoren des Bandes zu György Ligetis „Atmosphères“ haben ihre Konzepte im Vorfeld des Festivals ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln in Workshopreihen für Grund- und weiterführende Schulen erprobt. In ihrem Vortrag stellen sie das Konzept ihres Buches vor und berichten von den Erfahrungen aus den Projekten „Wie klingt Ewigkeit“ und „Klanggewitter im Weltraum“.

Ort: Literaturhaus · Seminarraum



Samstag, 10.05.2014, 12:00 – 13:30 Uhr

Musik in Bewegung
Projektpräsentation und Workshop
Smooche de la Rooche II und Flowers of Carnage - Musik und Sport

Referenten: Annesley Black (Komponistin), Olaf Wegener (Projektleiter Förderprojekte Zeitgenössische Musik des Deutschen Musikrats) und Silke Egeler-Wittmann (musikpädagogische Begleitung von Abenteuer Neue Musik)

Vorstellung des Vermittlungsprojektes "Abenteuer Neue Musik" des Deutschen Musikrates und des Verlags Schott Music anhand von Schülerprojekten zu den Stücken "Smooche de la Rooche II" und "Flowers of Carnage" der Komponistin Annesley Black sowie des daraus resultierenden Unterrichtsmaterials. Präsentiert werden Projekte, in denen die Grenzen zwischen Musik und Sport aufgehoben wurden.

Das Musiktheaterstück „Flowers of Carnage“ beispielweise beschäftigt sich zum einen mit dem zwiespältigen Verhältnis zu medialen Darstellungsformen ostasiatischer Kampfkunst und versucht zum anderen, Jugendlichen eine Annäherung an und die kreative Auseinandersetzung mit Kung Fu zu ermöglichen. Kurze Klangbeispiele, die einer breiten Auswahl an Martial-Arts-Filmen entstammen, wurden von den Jugendlichen (ausschließlich) hörend analysiert, transkribiert, instrumentiert und schließlich neu komponiert. Das so gewonnene Klangmaterial wurde mit neuen Choreografien konfrontiert, die auf der Basis des hoch stilisierten Bewegungsrepertoires von Kung Fu entwickelt wurden. Die Bewegungen steuern die Klänge mittels Bewegungssensoren (z.B. mit einem präparierten Wii-Stick) oder durch Reagieren auf die MitspielerInnen. Zuweilen steuern auch die Klänge die Bewegungen. Im Workshop werden Ausschnitte aus dem Stück präsentiert und ausprobiert.

Ort: Literaturhaus · Saal



Samstag, 10.05.2014, 12:00 – 13:30 Uhr

Fokus Acht Brücken
Workshop
Der Meister am Webstuhl: Ligetis "Atmosphères" vermitteln

Referenten: Dr. Johannes Voit (Referent für Musikvermittlung KölnMusik) und Veronika Großberger (Musikvermittlung Ernst Krenek Institut, Krems)

! Die Partitur von Ligetis epochalem Werk „Atmosphères“ mit seinen rund 80 einzeln geführten Stimmen vermittelt einen Eindruck von der komplexen Bauart der Komposition. Dem gegenüber steht ein Höreindruck, der keineswegs „kompliziert“, sondern atmosphärisch dicht, geradezu soghaft ist. Tatsächlich nimmt der Hörer nicht 80 Einzelstimmen wahr, sondern ein Nach-, Neben- und Übereinander von bewegten und statischen Klangflächen, die teils abrupt aufeinander folgen, teils unmerklich ineinander übergehen oder sich zu mosaikartigen Strukturen verbinden. Diese Strukturen lassen sich anhand der grafischen Skizzen anschaulich nachvollziehen, die Ligeti beim Komponieren angefertigt hat. Die Teilnehmer erwecken diese Skizzen mit Klängen zum Leben, empfinden die musikalischen Strukturen in „Atmosphères“ mit dem eigenen Körper nach und entwickeln im Anschluss eigene kleine Raumkompositionen.

Ort: Literaturhaus · Seminarraum



Samstag, 10.05.2014, 14:30 – 15:30 Uhr

Rhythmus & Sprache
Vortrag
Rhythmus als nichtrepräsentative Sprache

Referent: Florian Meyer (Künstler, Musiker & DJ, Karlsruhe)

Rhythmus funktioniert: Babies reagieren unwillkürlich auf rhythmische Strukturen, Kulturen, welche scheinbar keinen Austausch mit der Zivilisation pflegen, kennen für uns gängige Rhythmussequenzen - es scheint nie eine unmusikalische Kultur gegeben zu haben, kein Alter, welchem Musikgenuss fremd ist. Rhythmus scheint uns so vertraut wie der eigene Körper und so kulturübergreifend wie das Lachen – warum?

Jüngere neurologische Forschungen sehen Rhythmen überall am Werk, im gesamten Bereich unserer mentalen Organisation. Er liefert die Grundstruktur der Referenz sowie ein eigenes Kodierungssystem – so zumindest die Implikationen der neurozellulären Forschung.

Florian Meyers Beitrag versucht Rückschlüsse neurozellulärer Rhythmusbeobachtungen auf das noch immer rätselhafte Phänomen der Faszination von Musik zu ziehen.

Ort: Literaturhaus · Seminarraum



Samstag, 10.05.2014, 15:30 – 16:45 Uhr

Rhythmik
Workshop
Neue Musik in Bewegung – Rhythmik & zeitgenössische Musik- und Rhythmuskonzepte

Referentin: Prof. Dorothea Weise (Ltg. Studienrichtung Rhythmik, UdK Berlin)

In diesem Rhythmik-Workshop werden ausgewählte Werke der Neuen Musik mittels Wahrnehmungsund Bewegungsaufgaben erkundet.

Rhythmische Prozesse vollziehen sich im Spannungsfeld von Ordnung und zeitlich-dynamischer Veränderung. Musikalische Rhythmen lösen oft Bewegungsimpulse aus und zwar dann, wenn Rhythmen stabil bleiben oder sich entsprechend einer bekannten musikalischen Konvention entwickeln oder ändern. Sofern die Ordnung im rhythmischen Prozess dominiert, kann der Körper sich einschwingen, mitgrooven und sich lustvoll mit den musikalischen Rhythmen synchronisieren. Vielen Werken der zeitgenössischen Musik liegen jedoch rhythmische Strukturen zugrunde, die ein spontanes körperliches Mitvollziehen erschweren. Eine rhythmische Ordnung ist beim ersten Hören vielleicht gar nicht erkennbar. Dann braucht es ein anderes Repertoire an Wahrnehmungsmodellen und Reaktionsmöglichkeiten, um sich zu orientieren und eine Beziehung zum Gehörten herzustellen. Das Fach Rhythmik thematisiert die Verbindung von Musik und Bewegung und bietet insbesondere in der Auseinandersetzung mit Neuer Musik Zugänge zum aktiven kinetischen Hören.

Ort: Literaturhaus · Saal



Samstag, 10.05.2014, 15:30 - 16:45 Uhr

Rhythmus & Sprache
Workshop / Lecture Performance
Global Tala – die südinidische Rhythmussprache Konakol als künstlerisches und pädagogischer Werkzeug

Referent: Ramesh Shotham (Perkussionist, Köln)

GlobalTala ist ein von Ramesh Shotham entwickeltes Rhythmussystem. Es basiert auf südindischen Rhythmus-Traditionen und dem reichen Erfahrungsschatz, den Ramesh Shotham als herausragender professioneller Musiker besitzt.

Er kombiniert die „hand-clapping“- Methode des südindischen Tala-Systems mit der Rhythmussprache Konakol. Lernen und Verstehen von ungeraden Rhythmen, die Unterteilung des Pulses/Taktes in unübliche Kombinationen, Entwicklung von metrischen Bausteinen sowie Verinnerlichung rhythmischer Phrasen und Kompositionen sind Inhalte, die Shotham vermittelt.

Ramesh Shotham referiert über Theorie und Praxis der ausgefeilten südindischen Rhythmik, einem in Jahrtausenden gereiften mathematischen System. Dabei wird es auch immer wieder Gelegenheiten zum praktischen Nachvollziehen geben. Ausserdem wird Shotham in einem Minikonzert die Klangvielfalt und die außergewöhnlichen Spieltechniken der südindischen klassischen Trommeln wie Mridangam, Ghatam, Kanjira, Morsing und Tavil demonstrieren.

Ort: Literaturhaus · Seminarraum



Samstag, 10.05.2014, 17:15 – 18:30 Uhr

Impuls #4
Vortrag & Gespräch
Inseln in der Zeit – Rhythmen und Rituale in Bildungsprozessen

Impulsvortrag: Prof. Dr. Jörg Zirfas (Bildungsanthropologe, Universität zu Köln) Gespräch: Dagmar Boecker, Dr. Hans-Jürgen Scheurle , Prof. Dorothea Weise, Prof. Dr. Jörg Zirfas

In seinem Impulsvortrag skizziert der Kulturanthropologe und Bildungsphilosoph Prof. Dr. Jörg Zirfas, gerade frisch an die Universität zu Köln berufen, fünf Thesen. Sie bilden den Ausgangspunkt für ein Gespräch, das die Diskussionen, Themen und praxisorientierten Beiträge der Konferenz in einem größeren philosophischen, anthropologischen und gesellschaftlichen Rahmen verortet und im Lichte der professionellen Expertisen und der persönlichen Erfahrung der Referenten und des Publikums reflektiert:

1. Wir können unterscheiden zwischen Zeittaktung und Lebensrhythmus.
Während die Zeittaktung eine gleichförmige Gliederung darstellt und die zeitlichen Besonderheiten auflöst, steht der Lebensrhythmus für die Wiederkehr, den Wechsel und die Abweichung.

2. Wir lernen Zeit durch (Rituale in) Erziehung und Sozialisation.
Wir lernen die Zeit – die Fragen nach dem wann, wie oft, wie lange, in welcher Reihenfolge, in welcher Geschwindigkeit – vor allem in Familie, Schule und Medien: Hier spielen Disziplinierung, Konzentration, Planung und Vorsorge oder Genauigkeit eine große Rolle. Kindliche Zeiten werden rationalisiert, terminiert, sequenziert und finalisiert.

3. Rituale sind auch Handlungsmuster der Zeitvergessenheit. In der Einübung von Zeit sind Rituale von entscheidender Bedeutung. Man kann Rituale in verschiedenen Hinsichten verstehen. Rituale bilden einen pragmatischen Ausdruck von fundamentalen Werten, dienen als Vergemeinschaftungsmittel von Individuen und als Entstehungsort von sozialen Ordnungen. Sie können aber auch innovative und spielerische Prozess kultureller Transformationen in Gang bringen. Rituale halten die Uhr an und stellen die Zeit still. Sie vermitteln in diesem Sinne ein Gefühl von Unsterblichkeit.

4. Menschen leiden unter der Zeit. In der Langeweile, aber in wesentlich stärkerem Maß in Depression und Melancholie kann diese Herrschaft erfahren werden. Menschen mit diesen temporalen Psychopathologien fühlen sich der Zeit ausgeliefert und zwar einer Zeit, die nicht vergehen will und die somit die psychisch Kranken einer Situation der Wiederkehr des ewig Gleichen aussetzt.

5. Die Insel in der Zeit ist das Glück des Augenblicks. Glück lässt sich nur gegen die Zeit festhalten. Die antiken wie auch die modernen Denker haben das Verweilen in der Gegenwart als ästhetisches Glück der Muße, des Spiels oder des Rausches als Befreiung von der Zeit verstanden. Diese ästhetischen Erfahrungen bilden neben der Alltagszeit, der biographischen und historischen Zeit eine vierte Zeit – eine Auszeit.




Ort: Literaturhaus Köln · Haus Bachem · Großer Griechenmarkt 39 · 50676 Köln


























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